Wissen, das verbindet: JOBST® lädt zum 20. Symposium mit einem interaktivem Fachprogramm ein

Emmerich am Rhein, 27. April 2026

Die Begeisterung für wissenschaftliche Inhalte und praktischen Erfahrungsaustausch war im Steigenberger Parkhotel in Braunschweig ‚hautnah‘ erlebbar: Das Jubiläumssymposium von JOBST widmete sich am 27. und 28. März in fachlicher Breite und inhaltlicher Tiefe den Chancen und Fortschritten der sich kontinuierlich weiterentwickelnden medizinischen Kompressionstherapie. Bereits zum 20. Mal fanden Fachkräfte aus Sanitätshäusern und angewandter Versorgung mit Expert*innen aus Wissenschaft und Medizin zusammen. „Wissen, das verbindet“ – dieses Motto zog sich durch alle Fachvorträge, Diskussionen und Workshops. 
 
Malte Schmidt, National Sales Manager bei Essity für JOBST, begrüßte die Fachbesucher*innen mit den Worten, es sei für das Team JOBST und ihn selbst eine „goldene Veranstaltung“. Er spann den Bogen von der Erfindung des Kompressionsstrumpfes durch Conrad Jobst im Jahr 1950 über die posthume Würdigung der unternehmerischen Leistungen seiner Frau Caroline Jobst bis in die heutige Zeit und machte deutlich: „Wir stehen hier, weil Caroline Jobst das Unternehmen vorangetragen und Barrieren erfolgreich überwunden hat.“ Ein Statement der Stärke, das sich auch in der Vorstellung einer Patientin wiederfand, die 2026 als JOBST Kämpfernatur eine starke Botschaft transportiert, um Betroffenen mit einem Lymphödem Mut zu machen. 
 
Ganzheitliche Ansätze in der Lymphologie 
 
Die inhaltlichen Schwerpunkte legten die renommierten Mediziner*innen aus der Földiklinik, dem Europäischen Zentrum für Lymphologie, mit dem JOBST bereits seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet. Den Auftakt setzte Dr. med. Tobias Bertsch, Facharzt für Innere Medizin, Chefarzt und ärztlicher Direktor der Földiklinik. Unter dem Titel „Doppelte Last: Adipositas und Lymphödeme verstehen und versorgen“ machte er deutlich, wie ernst die Lage ist: Seit 2012 sei die Sterblichkeit an Adipositas größer als die an Hunger. Auch in der Földiklinik nehme die Zahl der betroffenen Patientinnen deutlich zu. „Fettzellen sind der Feind der Lymphgefäße“, so Dr. Bertsch. 
 
Anhand von Praxisbeispielen zeigte er, wie komplex die Behandlung wird, wenn Adipositas Ursache des Lymphödems ist. Entscheidend sei ein ganzheitlicher Blick auf den Menschen und nicht nur auf einzelne Symptome. In der Földiklinik ist die individuelle Patient*innenberatung ein fester Bestandteil der Therapie und wird durch psychologisch unterstützende sowie alltagsnahe Maßnahmen ergänzt, etwa durch praktische Anleitung in einer Lehrküche. 
 
Die sogenannte Abnehmspritze sei zwar ein „Gamechanger“, sie komme jedoch nur für wenige Patient*innen infrage. Oft seien operative Eingriffe wie ein Schlauchmagen oder Magenbypass notwendig, um langfristig Gewicht zu reduzieren. Ohne diese Maßnahmen sei das Risiko hoch: 60% der von Adipositas betroffene Person erreicht nicht das 70. Lebensjahr. Gleichzeitig sei das Operationsrisiko vergleichsweise gering. In der Diskussion wurde zudem deutlich, wie wichtig es ist, Essstörungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. 
 
Multimorbidität in der Kompressionspraxis 
 
Neben Adipositas können noch weitere Erkrankungen die Versorgung beeinflussen. Häufig kommen mehrere, teils schwerwiegende und lebensverkürzende Krankheitsbilder zusammen. Dr. Dr. Claudia Seger, Fachärztin für Innere Medizin, Angiologie und leitende Oberärztin der Földiklinik, schilderte, wie komplex die Behandlung in solchen Fällen wird – etwa wenn Diabetes oder eine Herzinsuffizienz parallel bestehen. 
 
Entlang realer Patient*innensituationen zeigte sie, dass die medizinische Kompressionstherapie oft weiterhin ein zentraler Bestandteil der Behandlung sein kann, jedoch individuell angepasst werden muss. Entscheidend seien eine genaue Diagnostik, die Berücksichtigung aller Begleiterkrankungen und ein schrittweises Vorgehen. 
 
Auch bei vielschichtigen oder seltenen Krankheitsbildern gelte: Kompression ist in den meisten Fällen möglich – vorausgesetzt, sie wird differenziert eingesetzt.
Gefestigte Zusammenarbeit 
 
Nicht nur in den Pausen, auch im Anschluss an die Vorträge suchten die Expert*innen und Fachkräfte vor Ort immer wieder das Gespräch. Claudia Stockrahm aus dem Sanitätshaus Schaub in Berlin war schon auf einigen Symposien und schätzte die Begegnungen mit dem Team JOBST: „Das festigt die Zusammenarbeit noch mehr.“ Ähnlich sah es Fachbesucherin Susanne G. aus einem Sanitätshaus in Wolfenbüttel. Der Austausch sei ihr sehr wichtig, er fände im Arbeitsalltag zu wenig statt. 
 
Auf die Bedeutsamkeit der interprofessionellen Kommunikation wies eindringlich Dr.med. Francisca-Blanca Calinescu, Fachärztin für Chirurgie und Gefäßchirurgie im Medicenter Düren, in ihrem Vortrag über die regionale Vernetzung zwischen Ärzt*innen, Sanitätshäusern und Patient*innen hin. Sie nahm dabei die Ärzt*innenschaft in die Pflicht und regte regelmäßige „Mini-Fortbildungen“ und feste Zeitfenster an, in denen sich Ärzt*innen und Mitarbeitende aus Sanitätshäusern zu Patient*innen abstimmen und austauschen. Dadurch ließen sich klare Absprachen treffen, die die Versorgungssituation für Patient*innen insgesamt verbessern würden. 
 
Die Fachbesucherin Frau Babbe zeigte sich auch als Mitarbeiterin in einer Apotheke sehr angetan vom fachlichen Niveau des Tagungsprogramms. Sie selbst sei Lymphödem-Patientin und gebe ihr Wissen gerne an Kund*innen in der Apotheke weiter. Auch aus eigener Erfahrung könne sie dem Vortrag von Frau Dr. Calinescu zustimmen: Für die Adhärenz und somit den Behandlungserfolg der Patient*innen sei eine fundierte Eingewöhnung und Begleitung in die medizinische Kompressionstherapie genau richtig. 
 
Fachlicher Austausch und neue Perspektiven 
 
Neben der medizinischen Seite gebe es auch einen gesetzlichen Auftrag zum fachlichen Austausch, wie Ralph Martig, Bereichsleiter Lymphologie und Vertragsmanagement des Sanitätshauses Schaub, anregte: „Auch Physiotherapeut*innen sollten sich untereinander vernetzen.“  
 
Für weitere Erkenntnisse sorgte der Vortrag von Dr. med. Hans-Walter Fiedler, Chirurg, Gefäßchirurg und Lymphologe. Unter dem Titel „Perspektiven für das Lipödem-Syndrom: sorgloses Saugen für alle!?“ räumte er mit begrifflichen Irrtümern auf und konstatierte: „Das Lipödem ist keine Ödemkrankheit.“ Ebenso trete es nicht in Stadien auf und verlaufe „nicht grundsätzlich progressiv“. Insbesondere kritisierte er die LIPLEG-Studie, deren Design keinen wissenschaftlichen Standards genüge. Somit sei weder die Überlegenheit der Liposuktion ausreichend belegt noch die vermeintliche Unterlegenheit der medizinischen Kompressionstherapie. Im Gegenteil, Kompression sei und bliebe erste Wahl in der Therapie des Lipödems. Eine Liposuktion sei nur bei der Minderheit aller Patient*innen überhaupt in Erwägung zu ziehen.  
 
Im abschließenden Vortrag von Dr. med. Tim Hollstein, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie und Oberarzt am UKSH zu Kiel, stellte dieser neue Forschungsergebnisse zu braunem Fett, der „Heizung des Körpers“, vor. 
 
Abendlicher Ausklang, Workshops und Fazit 
 
Der erste Veranstaltungstag endete mit einem vielfältigen Bewegungsangebot, das den Teilnehmenden zur aktiven Regeneration und zum informellen Austausch diente. Am nächsten Tag bot sich den Fachbesucher*innen ein vielfältiges Workshop-Angebot, in dem sie das Wissen praktisch umsetzen konnten. Die Themenvielfalt reichte von konkreten Fragestellungen der Versorgungspraxis über den Umgang mit Herausforderungen im Berufsalltag bis hin zu Selbstfürsorge im Arbeitskontext. 
 
Malte Schmidt brachte es auf den Punkt: „Wir sind begeistert, dass so viele Partner von JOBST zu diesem Jubiläum nach Braunschweig gekommen sind und möchten ganz besonders mit diesem Symposium den Wissensaustausch fördern und ein starkes Signal für die Kompressionstherapie senden.“